Orthopädieschuhmacher/in EFZ
Orthopädieschuhmacherinnen und Orthopädieschuhmacher EFZ stellen orthopädische Serien- und Massschuhe her, passen sie an und reparieren sie. Zusätzlich fertigen sie Einlagen, Sohlen, Fussprothesen und weitere Hilfsmittel an, die Menschen mit Fussproblemen unterstützen.
Der Beruf verbindet Handwerk, Medizintechnik, Materialkenntnis und direkten Kundenkontakt. Du untersuchst Füsse, arbeitest mit ärztlichen Verordnungen und Röntgenbildern, stellst individuelle Modelle her und fertigst daraus passende Schuhe oder Hilfsmittel.
Was machst du in diesem Beruf?
Als Orthopädieschuhmacher/in EFZ begleitest du einen Auftrag von der ersten Beratung bis zum fertigen Schuh oder Hilfsmittel.
Du vermisst und untersuchst die Füsse, stellst Modelle und Schablonen her, schneidest Materialien zu und baust daraus individuelle Schuhe oder Einlagen.
Am Ende testest du die Passform am Fuss und passt das Produkt so lange an, bis Entlastung, Stabilität und Tragekomfort stimmen.
Kundinnen und Kunden empfangen
Zu Beginn eines Auftrags empfängst du die Kundschaft und klärst, welches Problem besteht.
Dabei sprichst du über Beschwerden, bisherige Erfahrungen und die Anforderungen an das neue Hilfsmittel.
Einfühlungsvermögen und Fingerspitzengefühl sind dabei besonders wichtig.
Ärztliche Verordnungen prüfen
Du arbeitest häufig auf Grundlage einer ärztlichen Verordnung.
Darin stehen wichtige Angaben zur medizinisch notwendigen Versorgung.
Du nutzt diese Informationen für die Planung des Schuhs oder Hilfsmittels.
Rezepte und Röntgenbilder auswerten
Je nach Fall schaust du dir Rezepte oder Röntgenbilder an.
Sie geben dir zusätzliche Hinweise zu Fehlstellungen, Verletzungen oder anderen Problemen.
Diese Informationen helfen dir, die Versorgung möglichst passend zu planen.
Füsse untersuchen
Du schaust dir die Füsse genau an und prüfst Form, Stellung und Belastung.
Dabei achtest du auf Besonderheiten, Druckstellen oder Fehlstellungen.
Diese Untersuchung ist die Grundlage für eine individuelle Anpassung.
Abdrücke erstellen
Du fertigst Abdrücke der Füsse an.
Damit kannst du Form und Belastung genau erfassen.
Diese Daten helfen dir beim späteren Aufbau des Schuhs oder der Einlage.
Podogramme erstellen
Ein Podogramm zeigt, wie die Fusssohle beim Auftreten belastet wird.
Du erstellst solche Abbildungen und wertest sie für die weitere Arbeit aus.
So erkennst du, wo besonders viel Druck entsteht.
Fussmodelle anfertigen
Für individuelle Massschuhe stellst du ein Modell des Fusses her.
Dafür formst du den Fuss beispielsweise mit Gipsbinden und Versteifungsschaum ab.
Das Modell dient als Grundlage für die weiteren Arbeitsschritte.
Fuss mit Gipsbinden abformen
Du legst Gipsbinden so an, dass die Form des Fusses möglichst genau übernommen wird.
Dabei musst du sorgfältig arbeiten, damit das Modell später realistisch ist.
Ungenaue Abformungen können die spätere Passform beeinträchtigen.
Mit Versteifungsschaum arbeiten
Versteifungsschaum hilft dabei, eine stabile Form zu erzeugen.
Du setzt ihn bei der Herstellung individueller Fussmodelle ein.
Das fertige Modell muss belastbar genug für die weiteren Arbeitsschritte sein.
Anprobierschuh herstellen
Vor dem endgültigen Schuh stellst du einen Anprobierschuh aus transparentem Kunststoff her.
Dieser passt sich möglichst genau an das Fussmodell an.
Durch das transparente Material kannst du die Passform besonders gut kontrollieren.
Schablonen anfertigen
Für die verschiedenen Teile des Schuhs erstellst du Schablonen.
Diese brauchst du beispielsweise für Schaft, Fussbett oder Sohle.
Die Schablonen müssen sehr genau auf das Modell abgestimmt sein.
Schaft zuschneiden
Du schneidest die Materialien für den Schaft nach den vorbereiteten Schablonen zu.
Dabei arbeitest du beispielsweise mit Leder oder anderen geeigneten Materialien.
Saubere Kanten und genaue Masse sind wichtig.
Fussbett herstellen
Das Fussbett beeinflusst, wie der Fuss im Schuh gestützt und entlastet wird.
Du fertigest es passend zur individuellen Fussform an.
Dabei berücksichtigst du die medizinischen Anforderungen der Kundschaft.
Sohlen zuschneiden
Du fertigst Sohlen passend zum jeweiligen Schuhmodell an.
Form, Höhe und Material richten sich nach der benötigten Unterstützung.
Die Sohle muss später genau mit dem übrigen Schuh zusammenpassen.
Schuhteile zusammensetzen
Nach dem Zuschneiden fügst du die einzelnen Komponenten zusammen.
Dabei arbeitest du Schritt für Schritt nach dem geplanten Aufbau.
Du musst darauf achten, dass alle Teile exakt positioniert sind.
Schuhteile nähen
Viele Teile werden durch Nähen miteinander verbunden.
Du führst diese Arbeiten mit geeigneten Maschinen oder Werkzeugen aus.
Die Nähte müssen stabil und sauber sein.
Schuhteile kleben
Andere Komponenten werden miteinander verklebt.
Du verwendest geeignete Klebstoffe und achtest darauf, dass die Verbindung dauerhaft hält.
Auch hier ist exaktes Positionieren wichtig.
Verstärkungen einbauen
Je nach Fussproblem benötigt der Schuh zusätzliche Stabilität.
Du baust entsprechende Verstärkungen ein.
Diese unterstützen bestimmte Bereiche und helfen, Fehlbelastungen zu reduzieren.
Polsterungen einsetzen
Polsterungen helfen, Druckstellen zu vermeiden und empfindliche Bereiche zu entlasten.
Du wählst die passende Form und das geeignete Material aus.
Dabei orientierst du dich an der individuellen Fussform.
Schuh am Fuss testen
Nach der Fertigung probiert die Kundin oder der Kunde den Schuh an.
Du kontrollierst, wie der Schuh sitzt und wie sich der Fuss darin bewegt.
Falls nötig, nimmst du weitere Anpassungen vor.
Modellierung überprüfen
Du kontrollierst, ob die Form des Schuhs zur Fussform passt.
Dabei achtest du besonders auf kritische Bereiche.
Die Modellierung muss sowohl funktional als auch möglichst angenehm sein.
Sohle überprüfen
Du testest, ob die Sohle die gewünschte Wirkung erzielt.
Dabei kontrollierst du beispielsweise Höhe, Stabilität und Abrollverhalten.
Bei Bedarf wird sie nochmals angepasst.
Entlastung kontrollieren
Orthopädische Schuhe sollen bestimmte Stellen gezielt entlasten.
Du überprüfst deshalb, ob Druckbereiche tatsächlich reduziert werden.
Falls nötig, veränderst du Fussbett oder Polsterung.
Statischen Ausgleich prüfen
Du kontrollierst, ob die Konstruktion Fehlstellungen oder unterschiedliche Belastungen sinnvoll ausgleicht.
Dabei beobachtest du die Stellung und Belastung des Fusses im Schuh.
Eine genaue Anpassung ist entscheidend für die Funktion.
Serienschuhe anpassen
Nicht immer wird ein komplett neuer Massschuh benötigt.
Du passt auch industriell hergestellte Schuhe an die Bedürfnisse der Kundschaft an.
Dafür veränderst du einzelne Bereiche gezielt.
Fussbetten in Serienschuhe einbauen
Du kannst ein individuelles Fussbett in einen bestehenden Schuh integrieren.
Damit wird der Fuss gezielt gestützt oder entlastet.
Der Schuh muss danach weiterhin bequem sitzen.
Sohlen erhöhen
Bei bestimmten Fehlstellungen oder Längenunterschieden wird die Sohle erhöht.
Du baust die notwendige Erhöhung präzise ein.
Die Anpassung muss stabil sein und zum restlichen Schuh passen.
Schäfte polstern
Du kannst den Schaft eines Schuhs zusätzlich polstern.
Damit werden empfindliche Stellen geschützt und Druck reduziert.
Die Polsterung muss passend platziert und sauber verarbeitet werden.
Orthopädische Hilfsmittel herstellen
Neben Schuhen fertigest du weitere Hilfsmittel für die Füsse an.
Diese werden individuell nach Mass hergestellt.
Dafür verwendest du unterschiedliche Materialien.
Einlagen nach Mass anfertigen
Du stellst individuelle Einlagen her, die den Fuss stützen oder entlasten.
Form und Material richten sich nach dem jeweiligen Problem.
Nach der Fertigung wird die Einlage im Schuh getestet.
Fussprothesen herstellen
Bei bestimmten Kundinnen und Kunden fertigest du Fussprothesen an.
Dafür stellst du zunächst eine individuell passende Form her.
Die Prothese wird anschliessend genau an die Person angepasst.
Fussprothesen anpassen
Nach der Herstellung kontrollierst du Sitz und Funktion der Prothese.
Dabei achtest du auf Komfort, Stabilität und die individuellen Bedürfnisse.
Falls nötig, nimmst du weitere Anpassungen vor.
Schuhe reparieren
Orthopädische Schuhe werden regelmässig beansprucht und müssen teilweise repariert werden.
Du ersetzt oder reparierst beschädigte Bestandteile.
Dabei achtest du darauf, die orthopädische Funktion zu erhalten.
Rechnungen schreiben
Zum Beruf gehören auch administrative Aufgaben.
Du erstellst Rechnungen für ausgeführte Arbeiten und Produkte.
Dabei musst du Leistungen und Material korrekt erfassen.
Buchhaltung führen
Je nach Betrieb arbeitest du auch bei der Buchhaltung mit.
Du hältst Einnahmen, Ausgaben und weitere Geschäftsvorgänge fest.
Solche Aufgaben werden besonders wichtig, wenn du später mehr Verantwortung übernimmst.
Waren bestellen
Für die Herstellung brauchst du Materialien, Zubehör und Ersatzteile.
Du bestellst benötigte Waren rechtzeitig.
Dabei behältst du den aktuellen Bedarf im Blick.
Lagerbestände verwalten
Du kontrollierst, welche Materialien noch vorhanden sind.
Fehlende Produkte werden nachbestellt.
Ein gut organisiertes Lager verhindert unnötige Verzögerungen.
Material instand halten
Du achtest darauf, dass verwendete Materialien korrekt gelagert und einsatzbereit sind.
Beschädigte oder ungeeignete Materialien werden aussortiert.
Ordnung und Sauberkeit sind dabei wichtig.
Maschinen warten
Die Maschinen in der Werkstatt müssen regelmässig kontrolliert und gepflegt werden.
Du führst einfache Wartungsarbeiten aus und achtest auf ihre Funktionsfähigkeit.
Gut gewartete Maschinen ermöglichen präzisere Arbeit.
Wie sieht der Arbeitsalltag aus?
Als Orthopädieschuhmacher/in EFZ arbeitest du hauptsächlich in einer Werkstatt. Diese verfügt häufig zusätzlich über einen Bereich für Kundinnen und Kunden.
Dort vermisst du Füsse, machst Abdrücke und Podogramme, führst Anproben durch und passt Schuhe oder Hilfsmittel an.
In der Werkstatt arbeitest du mit unterschiedlichen Materialien wie Leder, Stoffen, Kunststoffen, Gips und Schaumstoffen. Viele Arbeitsschritte erledigst du von Hand und sehr präzise.
Die Arbeitszeiten sind meistens regelmässig und richten sich nach den Öffnungszeiten des Geschäfts.
Was solltest du mitbringen?
- Räumliches Vorstellungsvermögen hilft dir, aus Fussformen und Schablonen passende Schuhe und Hilfsmittel zu entwickeln.
- Einfühlungsvermögen ist wichtig, weil viele Kundinnen und Kunden gesundheitliche Beschwerden oder Einschränkungen haben.
- Höflichkeit und Fingerspitzengefühl brauchst du bei Untersuchungen, Anproben und Beratungsgesprächen.
- Kreativität hilft dir, individuelle technische Lösungen zu entwickeln.
- Manuelles Geschick brauchst du beim Zuschneiden, Nähen, Kleben und Formen.
- Eine sorgfältige und exakte Arbeitsweise ist wichtig, weil die Hilfsmittel genau passen müssen.
- Freude an Verkauf und Beratung hilft dir im direkten Kontakt mit der Kundschaft.
In der Schule helfen dir besonders Werken, Mathematik sowie Natur und Technik. Wichtig sind vor allem handwerkliches Geschick, räumliches Denken und Interesse an Gesundheit, Materialien und individuellem Kundenkontakt.
Ausbildung
Die Lehre dauert 4 Jahre.
Die praktische Ausbildung absolvierst du in einer orthopädischen Klinik oder einem Atelier für Orthopädie-Schuhtechnik. In der Regel arbeitest du dort 4 Tage pro Woche.
Die Berufsfachschule besuchst du 1 Tag pro Woche in Zofingen im Kanton Aargau.
Zusätzlich absolvierst du überbetriebliche Kurse in Zofingen. Diese dauern insgesamt 20 Tage während 4 Jahren.
Für die Ausbildung brauchst du die abgeschlossene obligatorische Schule. Einige Betriebe verlangen zusätzlich einen Eignungstest.
Wenn deine schulischen Leistungen sehr gut sind, kannst du während der Lehre zusätzlich die Berufsmaturitätsschule besuchen.
Nach bestandener Ausbildung erhältst du den Abschluss Orthopädieschuhmacher/in EFZ.
Lohn
Lohn während der Lehre:
- 1. Lehrjahr: CHF 600.–
- 2. Lehrjahr: CHF 800.–
- 3. Lehrjahr: CHF 1000.–
- 4. Lehrjahr: CHF 1200.–
Einstiegslohn nach der Lehre: ca. 4'600 CHF
Dein Lohn ist so individuell wie dein Weg: Die Angaben sind Richtwerte und können je nach Betrieb, Kanton, Branche und Funktion variieren.
Weiterbildung und Entwicklung
Nach der Lehre kannst du dein Fachwissen mit Kursen des Verbands Fuss & Schuh erweitern.
Mit einer Berufsprüfung kannst du dich als Spezialist/in Orthopädieschuhtechnik BP weiterbilden und dein Wissen in der individuellen Versorgung und technischen Anpassung vertiefen.
Auf Stufe höhere Fachprüfung ist der Abschluss als Orthopädieschuhmachermeister/in HFP möglich.
Mit entsprechender Vorbildung und je nach Zulassungsbedingungen kannst du an einer Fachhochschule einen Bachelor of Arts in Design absolvieren.
Wo kannst du später arbeiten?
Orthopädieschuhmacherinnen und Orthopädieschuhmacher EFZ arbeiten hauptsächlich in Geschäften für Orthopädie-Schuhtechnik oder in orthopädischen Kliniken.
Je nach Betrieb beschäftigst du dich stärker mit Massschuhen, Einlagen, Fussprothesen, Reparaturen oder Kundenberatung.
Mit Weiterbildungen und Berufserfahrung kannst du mehr Verantwortung übernehmen.
Wenn du später ein eigenes Geschäft gründen und von Versicherungen anerkannt werden möchtest, sind entsprechende Weiterbildungen erforderlich.
Passt dieser Beruf zu dir?
Der Beruf passt zu dir, wenn du gerne sehr genau mit den Händen arbeitest und gleichzeitig direkten Kontakt mit Menschen möchtest. Du solltest dich für Gesundheit, Schuhe, Materialien und individuelle Lösungen interessieren.
Weniger passend ist der Beruf, wenn du ungern eng mit Kundinnen und Kunden arbeitest oder keine Freude an präziser, teilweise kleinteiliger Werkstattarbeit hast.
Wenn du Handwerk, Medizintechnik, Gestaltung und persönliche Beratung miteinander verbinden möchtest, kann Orthopädieschuhmacher/in EFZ gut zu dir passen.
